71 Als ich hier einzog, saß ich fest im Rollstuhl, kam nicht allein aus meinem Bett und ich nahm es so hin. „Na, dann bin ich halt die alte Frau, bisschen plemplem für andere und werde nun hier in meinem Rollstuhl warten, bis der Herrgott mich holt.“ Das waren so meine Gedanken. Kurz nach meinem Einzug ging es hier aber los mit mir. Jeden Tag Gruppentherapie, viel Bewegung und Sport. Was macht mir das Spaß und jeden Tag freue ich mich, wenn mein Wecker 9.45 Uhr anzeigt und ich endlich in Richtung des Clubraumes fahre. Auf dem Weg dahin, hole ich immer meine Nachbarin ab. Sie vergisst die Zeiten nämlich auch immer. Tja, sie hat ja auch keinen Wecker. Und dann legen wir so gut es geht los. Danach wird das Laufen trainiert und ich kann jetzt schon eine Strecke von bestimmt 20 Meter am Rollator gehen und bin stolz wie Bolle darauf. Neuerdings trainiere ich das Treppensteigen. Ich dachte, das geht gar nicht mehr, aber falsch gedacht, auch das habe ich wieder drauf. Wer hätte das gedacht? Leider habe ich niemanden, also keine Familie, sonst könnten sie auch so stolz auf mich sein. Aber ich habe hier ganz liebe Mitarbeiter und die loben mich immer und dann gebe ich mir besonders Mühe, denn jedes Lob geht runter wie Öl. Ich habe wieder so viel Freude am Leben, bin wieder mobiler geworden. Gut, der Kopf lässt nach, aber ich muss mich auch nicht immer an alles erinnern müssen. Manchmal ist es ja auch besser, sich nicht an alles zu erinnern.
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